Waldorfschule und Dreigliederungsgedanke


An welchen sozialen Ideen orientiert sich die Waldorfschule?




Was bedeutet "Dreigliederung des sozialen Organismus"?




Geistesleben - Rechtsleben - Wirtschaftsleben.




Was bedeuten diese Ideen für die Schule ?


    Zunächst ist festzustellen, daß das Schulwesen in der Gesellschaft im Bereich des Geisteslebens beheimatet ist.
    Es geht um die Entfaltung von Fähigkeiten bei den Schülern und um den Einsatz pädagogischer Fähigkeiten bei den Lehrern.
    Die Grundstruktur des Schulwesens muß sein, daß dieses frei von Fremdbestimmung ist. Die Fähigkeiten müssen sich frei entwickeln können.
    Diese Einsicht vermittelt eine Grundvorstellung davon, wie das Schulwesen verfaßt sein muß.
    Erforderlich ist nach außen eine Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben. Aufgabe des Staates ist es lediglich, das aus dem Menschsein entspringende Recht auf Ausbildung dadurch sicherzustellen, daß die Entstehung und der Betrieb von Schulen unterstützt wird ("Bildungsgutschein").
    Die inhaltliche Ausgestaltung ist die Aufgabe der Schulen selbst.
    Im Schulorganismus selbst (in der "Binnenstruktur") finden sich die Funktionen Geistesleben, Wirtschaftsleben, Rechtsleben wieder.
    Es gibt den pädagogischen Kernbereich (z.B. Unterricht, Kollegiumsstruktur), den wirtschaftlichen Bereich (z.B. finanzielle Ausstattung, Elternbeiträge, Lehrergehälter) und den rechtlichen Bereich (z.B. Schulverträge, Arbeitsverträge, Kündigungen).
    Die Aufgabe von Eltern und Lehrern ist es nun, die jeweils richtige Aufgabenverteilung zu finden.
    Unschwer läßt sich ersehen, daß der pädagogische Kernbereich von der Lehrerschaft wahrgenommen wird.
    Die Bereiche der wirtschaftlichen und rechtlichen Gestaltung werden hingegen von Eltern und Lehrern gemeinsam gestaltet. In der Oberstufe ist auch noch über eine angemessene Beteiligung der Schüler/innen nachzudenken.


Die vor uns liegenden Aufgaben


    Wenn es auch in der Praxis nicht immer gelingt, so ist die Schulgemeinschaft doch vor die Aufgabe gestellt, die Gestaltung als einen sozial-künstlerischen Prozeß aufzufassen.
    Der Prozeß einer Neugestaltung sozialer Strukturen, wie er in der Waldorfschule als Aufgabe und Notwendigkeit gesehen wird, setzt eine gute Portion Geduld und Idealismus voraus. Schließlich müssen wir alle uns durch einen Berg von Menschlichem/Allzumenschlichen arbeiten und eine ideale Struktur, wie auch eine ideale Pädagogik, läßt sich nur Stück um Stück verwirklichen.
    Die Grunderkenntnis muß sein, daß die Waldorfpädagogik auf der Freiheit der Verantwortlichen und damit auf einer neuen sozialen Gestaltung aufbaut.
    Es ist wichtig, sich gewachsene Strukturen bewußt zu machen und diese dann auszufüllen oder die Strukturen durch neue Ideen zu ändern oder zu ergänzen.
    Voraussetzung ist die Bereitschaft vieler Interessierter, aktiv mitzugestalten.

    Die Orientierung an folgendem Spruch Rudolf Steiners kann hierbei hilfreich sein :

    Leben in der Liebe zum Handeln
    und Lebenlassen im Verständnis des fremden Wollens,
    ist die Grundmaxime des freien Menschen.



    Dr.Ulrich Jancke