Rudolf Steiners Menschenkunde

Rudolf Steiners Menschenkunde ist die Grundlage der Waldorfpädagogik. Sie begreift den Menschen als eine Einheit aus Geist, Seele und Leib; als ein Wesen, das in seiner Entwicklung zu immer größerer Freiheit und Selbstbestimmung finden kann. Zur Entfaltung seiner vielfältigen Anlagen und Möglichkeiten ist der werdende Mensch allerdings auf Erziehung und Unterricht angewiesen, wobei sich Form und Inhalt einer dem Kind gerecht werdenden Pädagogik nach der jeweiligen Altersstufe und ihrer Entwicklungsgesetze richtet.

Die erste Stufe umfasst die Vorschulzeit bis etwa zum 7. Lebensjahr. Mit dem Zahnwechsel, dem äußeren Zeichen eines inneren Reifeprozesses, der sogenannten Schulreife, beginnt eine neue Entwicklungsphase. Nun bedarf das Kind der liebevollen Autorität des Erwachsenen, dem es vertrauen und nachfolgen kann. Dem entspricht die Waldorfschule durch den Klassenlehrer, der das Kind in den ersten 8 Jahren in einem Großteil des Unterrichts begleitet. Diese Lehrerpersönlichkeit schafft so eine Hülle, die das Kind braucht, um seine Fähigkeiten und Anlagen möglichst vielgestaltig auszubilden. Wird anfangs stark aus Bildern unterrichtet, so bildet sich zum Ende der Unterstufenzeit mehr ein Arbeits- und Lerncharakter hervor, der die Gedächtniskräfte der Schüler stützt. Praktische Tätigkeiten, Kenntnisse von Erde, Sternenwelt und Naturwissenschaften erweitern das Lebensgefühl und werden durch musische Fächer, Eurythmie und Sport unterstützt. Wacher, aber auch unsicherer, kritischer und einsamer als zu Schulbeginn, beginnt der junge Mensch seine Oberstufenzeit. Die Ausbildung eines eigenständigen, an den Phänomenen orientierten Urteils wird jetzt die Aufgabe sein.